„Global denken – lokal handeln“
Dieses Motto trieb engagierte Menschen in Dessau an, vor Ort eine Photovoltaikanlage zu errichten. Aus den Aktivitäten des Dessauer Energietischs entstand das erste solare Bürgerkraftwerk in Sachsen-Anhalt: Eine rund 10-kWp-Gemeinschaftsanlage. Sie wurde auf dem Dach der Lagerhalle der denkmalgeschützten ehemaligen Eisenhandlung Wilhelm Koch („Kochhaus“) in der Humperdinckstraße 16 installiert: zwischen altem Güterbahnhof und neuem Umweltbundesamt.
Geschichte der Anlage
Die Anlage wurde Anfang der 2000er Jahre geplant, im Januar 2004 in Betrieb genommen und mit einer Infotafel am „Tag der Erneuerbaren Energien“, dem 17. April 2004, offiziell eingeweiht. Viele lokale Akteure — von der Finanzierung über die Technik bis zur Montage — trugen zum Gelingen bei. Installiert wurden 60 Module, die von Solara in Wismar mit Solarzellen von Q-Cells aus Bitterfeld gefertigt worden sind. Die Unterkonstruktion stammt von der Firma ALTEC in Krispendorf (Thüringen), die Wechselrichter vom Marktführer SMA bei Kassel. Die Anlage liefert seit Inbetriebnahme erneuerbaren Strom in das städtische Netz und ist ein frühes Beispiel für zivilgesellschaftliches Engagement beim Ausbau erneuerbarer Energien in Dessau.
Übernahme durch die DeBEG eG
Das Bürgerkraftwerk wurde nach 22 Jahren erfolgreichen Betriebs 2026 vom Eigentümer „Solares Bürgerkraftwerk Dessau GbR“, einer Gesellschaft bürgerlichen Rechts, an die Dessauer BürgerEnergieGenossenschaft Mittelelbe eG (DeBEG) übergeben. Mit der Übernahme ist die Anlage in genossenschaftlichen Besitz überführt worden. Die DeBEG möchte das Bürgerkraftwerk auf dem Hallendach des Kochhauses im Sinne gemeinschaftlicher Teilhabe und regionaler Wertschöpfung weiter betreiben. Etwa die Hälfte der alten Gesellschafter sind Teil der neuen Bürgerenergiegenossenschaft geworden. Die Genossenschaft wurde im Herbst 2024 gegründet und bündelt seitdem lokale Expertise und Interessen, um Photovoltaik-Projekte insbesondere auf öffentlichen Gebäuden, Kitas, Schulen und Vereinsdächern in der Region Mittelelbe umzusetzen.
Betrieb & Nutzung
Gemeinsam mit der Firma Service Center Wörlitz entwickelte die DeBEG eine Power-to-Heat-Lösung, welche die Photovoltaikanlage in das bestehende Heizungssystem des Kochhauses einbindet. Damit wird der Gasverbrauch im Haus für 16 Nutzungseinheiten reduziert und so ein Beitrag zum Umwelt- und Klimaschutz geleistet. Zudem wird daran gearbeitet, eine gemeinschaftliche Gebäudeversorgung des denkmalgeschützten Kochhauses mit Solarstrom umzusetzen. Die DeBEG verwendet ihre Einnahmen zur Instandhaltung der Anlage und zur Finanzierung neuer Projekte in der Region. Ziel ist es, die Energiewende vor Ort gemeinschaftlich voranzubringen und zugleich finanzielle Beteiligungsmöglichkeiten für Menschen vor Ort zu schaffen.
Mitmachen
Als eingetragene Genossenschaft bietet die DeBEG eine einfache Möglichkeit, Teil der Energiewende zu werden — auch ohne eigenes Dach. Mitglieder können sich beteiligen, demokratisch mitentscheiden und von der wirtschaftlichen Nutzung regenerativer Energieanlagen profitieren. Die Erlöse werden reinvestiert oder in Form einer Ausschüttung an die Mitglieder zurückgeführt.
Presseartikel in der Mitteldeutschen Zeitung (mz+) | Erneuerbare Energie – Kochhaus in Dessau – Wie Sachsen-Anhalts erstes solares Bürgerkraftwerk vor der Verschrottung bewahrt wird
Kontakt
Wer Mitglied werden, ein Dach für eine neue Solaranlage anbieten oder mehr über das Projekt erfahren möchte, kann Kontakt zur DeBEG aufnehmen:
Dessauer BürgerEnergieGenossenschaft Mittelelbe eG (DeBEG eG)
Ferdinand-von-Schill-Straße 3, 06844 Dessau-Roßlau
Tel.: 0340-85911238 — E-Mail: kontakt@debeg.org — www.debeg.org/kontakt/